Ewige Zeugung und Quantenkollaps

Gibt es eine irreduzible Grundstruktur unseres Denkens? Eine derartige Struktur würde Möglichkeit und Grenzen der Beschreibung unserer Untersuchungsgegenstände bestimmen. Diese Struktur wäre die Grundlage von Theologie, Mathematik, Soziologie, Quantenphysik etc.
Vermittels einer derartigen Struktur sollten sich Isomorphien etwa zwischen Theologie und Quantenphysik identifizieren lassen.

Betrachten wir dazu „Die belehrte Unwissenheit“ des Nicolaus Cusanus. Im 8. Kapitel („Die ewige Zeugung“) zeigt Cusanus, wie „von der Einheit die Gleichheit der Einheit gezeugt wird, die Verbindung aber von der Einheit und von der Gleichheit der Einheit hervorgeht“. Das klingt etwas abstrakt. Es geht um eine trinitarische Struktur T:= { Einheit (Vater), Gleichheit (Sohn), Verbindung (heiliger Geist)}.

Trinity by Jeronimo Cosida

Wie kommt man auf so eine Struktur?
Cusanus konnte auf Überlegungen des platonischen Philosophen Thierry von Chartres aufbauen. Starten wir mit dem Verhältnis von Vater und Sohn bzw. Einheit und Gleichheit. Thierry bezieht sich auf Jesus Abschiedsreden im 14. Kapitel des Johannesevangeliums:

„Wer mich sieht, der sieht den Vater; wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnt, der tut die Werke.“

Der Sohn ist durch Repräsentation und Teilhabe charakterisiert. Die Totalität aller Repräsentationen von X ist mit X identisch. Die einfache Gleichung 1 * 1 = 1 kann als Rückkehr der Repräsentation zu sich selbst betrachtet werden.

Bei Cusanus kommt nun noch der Begriff der Form hinzu. Aristoteles konstatierte: „Benennbar ist nur die Form und ein Ding nach seiner Form; das Stoffliche an sich ist niemals benennbar.“
Der Sohn ist also die Form des Vaters.
Vater als Unendlichkeit, Ding an sich oder Totalität ist nicht erkennbar. (Siehe dazu auch „Die menschliche Vernunft und der dreieine Gott bei Nikolaus von Kues“ von Rudi Ott.

Ohne Repräsentation und Teilhabe keine Offenbarung. Der offenbarte Vater darf sich dabei aber nicht verzehren. Auch die Zeugung des Sohnes muss fehlerfrei und vollständig geschehen, weil laut Cusanus sonst ein „Monstrum“ entstünde. Teilhabe und Verschränkung werden durch die Verbindung (heiliger Geist) gewährleistet.

Die Multiplikation 1*1=1 kann man ins Unendliche fortsetzen. Es entsteht eine unendliche Kette Vater -> Sohn -> Vater -> Sohn -> Vater etc.

Diese trinitarische Denkfigur zeigt eine bemerkenswerte Isomorphie zum Welle-Teilchen-Dualismus der Physik. Eine Quantenwelle Ψ ist keine Observable – sie ist die Totalität möglicher Zustände (Einheit, Vater). Man kann nur bestimmte Spektrallinien und Amplituden |Ψ|² der Welle messen. Im Labor offenbart sich die Quantenwelle durch ein Fichte’eskes |Ψ|² = |Ψ|² . Aus der Summe aller Projektionen kann man die Quantenwelle rekonstruieren (Den Vater aus dem Sohn reproduzieren, ohne dass ein Monstrum generiert wird). Die Reduktion R der Quantenwelle spielt in diesem Bild die Rolle der Verbindung (heiliger Geist).

Vom formlosen Vater kann man nicht dieses oder jenes sagen. Deshalb entrüstet sich Jesus: „Wie sprichts du denn: Zeige uns den Vater?“ Eine Projektion auf ein Stückchen Vater mit Ausrichtung per Zeigefinger: „Dies ist Vater“ ist ausgeschlossen. Die Jünger werden aber später sagen können: jener |Ψ|², der gekreuzigt wurde ist identisch mit diesem |φ|², der Maria Magdalena erschienen ist (|Ψ|²=|φ|²).

Die ewige Zeugung ist ein merkwürdiger Tanz von Endlichkeit und Unendlichkeit. Hegels Negation der Negation als Rückkehr ist aus gleichem Holz geschnitzt. Ein Grenzraum des Denkens, der seit Thierry von Chartres noch keine Türe auf einen etwaigen benachbarten Raum offenbart hat.

14 Kommentare

Eingeordnet unter Naturwissenschaft, Philosophie

14 Antworten zu “Ewige Zeugung und Quantenkollaps

  1. Interessant finde ich auch, dass Dali das Kreuz offenbar als Symbol einer höheren Geometrie erkannt/ oder gedeutet hat…
    http://prayerbookguide.files.wordpress.com/2011/04/dali_crucifixion.jpg
    Der gekreuzigte Sohn hängt bei ihm am ausgerollten Hyperkubus.
    Das Kreuz selbst ist in seiner archetypischen Form auch als Mantel einer dreidimensionalen Geometrie, die zweidimensional ausgerollt wurde.
    Das Kreuz als Mantel des Würfels.

    Ich verstehe das Symbol in dieser Betrachtung als einen Hinweis auf die Transzendenz der Zeit: Aus einer höherdimensionalen Perspektive ist die Form/ die Struktur und die Wandlung der Form oder Struktur sozusagen „geeint“, da die Differenz entlang der Zeit zu einem integralen Teil einer mehrdimensionalen Struktur wird… So, wie wir den Schatten eines Tesserakt nur als Animation im Zeitverlauf abbilden können.

  2. Der Tesserakt wird oben statisch dargestellt… das ist eigentlich nicht korrekt: Nur in der Rotation wird die Struktur hinlänglich einsehbar.
    http://www.youtube.com/watch?v=t-WyreE9ZkI

    (Der „Tanz von Endlichkeit und Unendlichkeit“ 😉

    • Das ist zwar ein interessanter Aspekt, trifft aber nicht den Kern der Sache bei Cusanus (und auch nicht den Kern der Quantenphysik). Durch Hinzufügen einer Dimension verbleibt man in der gleichen mathematischen Entität – Welt als Kontinuum gedacht.

      In der Quantenphysik haben wir eine Struktur Ψ (mathematisch ein Hilbertraum) für die ‚Welt an sich‘ und eine völlig verschiedene Struktur |Ψ|² (mathematisch: reelle Zahlen R, abgeleitet durch Elemente eines Dualraums (Linearformen)) für die beobachtbare Welt.
      Die Vorstellung, dass so völlig verschiedenes doch verwoben sein kann (endlich/unendlich bzw. Diesseits/Jenseits) ist die Kulturleistung von Thierry von Chartres und die Geburtsstunde einer ontologisch verstandenen Dialektik.

  3. Also ich finde den Kommentar und die Beispiele von ‚manu (मनु, xyZ)‘ passend, ‚wie die Faust auf’s Auge‘. Im Gegenteil… für mein begrenztes DenkVermögen ist der ’spiegeleske‘ HauptArtikel eine Farce! Sorry, dass ich das so deutlich sage. Dass ‚Theologie‘ als Wissenschaft gilt, ist ee schon Skandal genug. Die Zuschreibung der Urheberschaft von bestimmten Gedanken kann ebenfalls als Zeugnis des Untergangs einer Epoche gelten, die sich wider besseren Wissen an Autoritäten klammert, die meint, Wissen hätte irgend etwas mit Besitz und Macht zu tun… und die freies, spekulatives, ersponnenes Denken verteufelt.

    Tatsächlich wissen wir oft nicht, Wer die wirklichen Urheber von Ideen und Gedanken sind… oft haben wir keine orginalen Schriften (und selbst wenn wir sie hätten, wüßten wir nicht, welches gesprochene Wort Wem, Wann, durch Wen, Wo, Weshalb, Wie, an Wen übermittelt wurde. So doof sind wir doch nicht, dass wir das nicht wissen könnten).

    Weshalb also so tun, als gäbe es… eine, meist von Theologen geordnete ‚Wissenschaft‘?

    Sowohl ‚Endlichkeit‘ wie auch ‚Unendlichkeit‘ sind nur Begriffe… ebenso wie jede Zahl – sei es nun eine natürliche, eine irrationale oder sonst irgend eine. Jede sogenannte wissenschaftliche Formel, jede Gleichung ist zunächst und in aller erster Hinsicht nichts anderes als Dichtung! Es ist immer ein Abbild, ein Modell, ein Paradeigma! Das meinte Aristoteles, wenn er meinte, dass wir immer nur die Form erfassen, dass der Begriff immer schon Form ist… und nicht mehr das Substanzielle. Ebenso hatte es ja schon Platon im HöhlenGleichnis veranschaulicht (und Wer weiß, ob dieses schöne Bild tatsächlich von Platon stammt – aber Wir sagen, es war Platon, weil wir es ihm zuschreiben wollen, weil wir ihn lieben, weil es uns gefällt, dass es ein so großartiger Geist sich ausgedacht hat): Unsere sogenannte ‚Realität‘ ist nur ein Schatten… ein AbBild des eigentlich ‚Substanziellen‘ – der Ideen! Wir neigen dazu, uns Dinge matieriell zu denken… d. h. wir gehen davon aus, dass sie eine räumliche Ausdehnung haben… dass sie zu einer bestimmt Zeit diese und diese Maaße besitzen. Dass ist es, was Kant mit diesem ‚a priori‘ meinte… [Weil es etwas mißverständlich ist, erkläre ich’s gleich nochmal: An sich… das sogenannte ‚Ding an sich selbst’… ist das eigentliche, welches ‚apriori‘ schon immer da ist (wie die Platonischen Ideen oder die Aristotelsche Substanz, welche ‚unter‘ der Form liegt). Für unsere Vorstellung aber, für all unser Erkennen (zu Kants Zeiten… und bezogen auf all das, was wir bis heute ‚NaturWissenschaft‘ nennen) ist als Erstes (das meint dieses ‚apriori‘) schon immer ein Raum… schon immer eine Zeit vorhanden.. vorausgesetzt.. oder eben angenommen. Das heißt: Alles, was wir über die Welt.. aus naturwissenschaftlicher Perspektive.. wissen können.. wissen wir immer nur ‚aposteriori‘ – also im Nachhinein! Und… da die GeistesWissenschaften sich im letzten Jahrhundert die Methoden der Natuwissenschaften selbst aufgenötigt haben (auch die der sogenannten ‚Ökonomie‘ – diese Blödijane) – sind auch sie dazu verdammt, die Welt nur im Nachhinein… im Vergangen… im VerwesungsZustand zu erfassen!!!
    Man kann sich gar nicht genug über die Konsequenzen dessen, was ich hier sage, Gedanken machen. Denn ‚das eigentliche Wunder‘ – worin besteht es? Na? Ja.. (Punkt Punkt) genau!

    Angenommen, wir würden nur aus dem bestehen, was unserer Vorstellung von Materie entspricht; Angenommen es gäbe keinen Gott, keinen Geist und kein – der sogenannten Materie ‚innewohnendes‘ – Prinzip, welches alle diese sogenannte Materie miteinander verbindet; Wie… verdammte Scheiße noch mal… Wie sollte sich diese ‚Materie‘ so strukturieren können, dass sie sich selbst ‚morgen‘ vorstellen kann? Wie kann sich Materie eine Zukunft von Materie denken? Abgesehen von all jenen absolut überragenden Fähigkeiten, nämlich dass ich – der ich aus ‚Materie‘ bestehe – andere Materie sehen kann, aber dass ich es auch vermag, durch sie hindurchzusehen sehen zu können, dass ich sie schmecken kann oder dass mich vor ihr ekele.^^

    Welche Konsequenzen hat das für QuantenVorstellungen?
    Alles was ich von QuantenDebatten weiß (es ist nur ein klein wenig mehr, als nichts, sofern ich mich nicht gänzlich darin irre): In der Vorstellung von gequantelten Prozessen ist alles Unmögliche und gleichzeitig alles Mögliche enthalten! Die Formel lautet: 1 = 1 ˄ 1 ≠ 1 [im Sinne von: 1 1; bzw. 1 (!)= 1].

    So. Und was nun?

    Es gibt noch etwas, was wir wissen können. Wir wissen, dass es den ‚Anderen‘ gibt. Aber was können wir schon wirklich wissen? Für den Fall, dass die ‚Nicht_Identität der Eins‘ und gleichzeitig (?) die ‚Identität der Eins‘ Wirklichkeit sind…oder zur Wirklichkeit werden können (also latend wirklich sind) – könnte das heißen, dass der Andere gar nicht ein Anderer ist, sondern ‚Ich‘ – nur eben ‚Ich als ein Anderer‘!
    Letztendlich – so vermute ich – ist das die eigentliche Motivation für Ethik… komischerweise haben sich alle großen Denker immer um Ethik… sprich um das ZusammenLeben mit Anderen… Gedanken gemacht. Nein – das ist kein Zufall! (..*smile* das behaupte ich einfach mal so… ohne es zu ‚beweisen‘ – und schau: es macht Spaaß!).

    Okay – es gibt noch etwas, Was wir wissen können – es wurde von Schopenhauer ins Spiel gebracht: ‚Wir können wissen, dass wir w o l l e n d sind!‘ Schopenhauer vermutet, dass das Wollen bzw. ‚der Wille‘ ein der Materie inhärentes Prinzip sei, welches Erstens… alle Materie (bzw. das, was wir derzeit als solche begreifen) miteinander verbindet (deswegen seine… von Anderen abschätzig und absichtlich diffamierend als ‚MitLeidsEthik ‚ bezeichnete… Ethik – man sieht also, es ging ihm dabei um mehr… um viel mehr) und welches Zweitens… quasi als ein ‚Wesen‘ angesehen werden kann (ein Wesen welches identisch und nichtidentisch mit sich selbst ist/seinkann/seinmuß/undsoweiterbishinterdiegrenzendergrammatik – [also im Sinne der Formel (1 1)].

    So – das wars für heute – bin gespannt, wann mir das JobCenter ’ne Sperre reindrückt, weil ich (manchmal) lieber denke, als ArbeitsAnweisungen von Idioten (sprich von unseren Regierungen) zu bevolken.
    Und trotz aller Kritik – ich bin sehr dankbar, dass es dieses Blog gibt – Danke!

  4. Kurze Anleitung zum Kommentieren
    Dieser Artikel thematisiert a) Trinitätsdeutungen von Cusanus und Thierry und b) die Bedeutung dieser Gedankenstruktur für andere Wissenschaften (hier: Quantenphysik).
    Anschlussfähige Kommunikation greift mindestens einen dieser Gedankengänge auf.
    Beispielhaft hier ein passendes Luhmann-Zitat:
    N. Luhmann ‘Die Religion der Gesellschaft’ (2000), p.83: “Als Christus ist er Sohn Gottes. Als Teil der Trinität ist er Gott, also sein eigener Vater, so wie Gottvater sein eigener Sohn ist. Das Mysterium sabotiert die Unterscheidung, auf der es beruht.”

  5. Ääh – wie bitte?
    Zitat 1: „Gibt es eine irreduzible Grundstruktur unseres Denkens?“
    Zitat 2: „Eine derartige Struktur würde Möglichkeit und Grenzen der Beschreibung unserer Untersuchungsgegenstände bestimmen. Diese Struktur wäre die Grundlage von Theologie, Mathematik, Soziologie, Quantenphysik etc.“
    Auf diese Frage und den daraus resultierenden Gedanken bin ich mit meinem Kommenatr sehr ausführlich eingegangen.

    Außerdem bezog ich mich auch auf den Kommentar von ‚manu (मनु, xyZ)‘. Außerdem äußerte ich mich sehr kritisch, zum Tenor des HauptArtikel – das ist doch erlaubt – oder?
    Speziell war es diese ‚Masche‘ – Zitat 3: „Vermittels einer derartigen [irreduzible[n]] Struktur sollten sich Isomorphien etwa zwischen Theologie und Quantenphysik identifizieren lassen.“

    Isomorphien lassen sich zwischen allen möglichen (und unmöglichen) völlig verschiedenartigen DenkDingen entdecken bzw. konstruieren… – das ist keine ‚Kunst‘! Aber das alte Thema der Theologen (nämlich für Alles einen letzten Grund, einen ersten Anfang, oder eben eine „ir[r]reduzible Grundstruktur unseres Denkens“ finden zu wollen)… wie es eigentlich schon in der Debatte zwischen Karl-Otto Apel und Hans Albert um das (von letzterem so bezeichnete) ‚MünchhausenTrilemma‘ ‚abgeklatscht‘ worden war, erscheint hier in einem neuen Gewand..

    Dann hatte ich Fragen nach echter Urhebersschaft angedeutet (und ob es sich nicht oft um Zschreibungen handelt). Eine der ältesten Ideen – sie reicht weit vor die römisch-christliche Zeit zurück – ist die der ‚Unitas‘ – der ‚Einheit in der Dualität, der ‚Einheit in der Dreiheit’… der ‚Einheit in der Vielheit‘. Deswegen (aber nicht nur deswegen) hatte ich die Frage nach der Identität der ‚Eins‘ angesprochen. Die Frage der Identität der ‚Eins‘ ist für QuantenTheorien quasi synonym… und wenn nicht synonym.. so doch von essentieller Bedeutung.

    Die Veränderung der Form, etwa durch DimensionsVeränderung bzw. PerspektivenVerlagerung… so wie sie ‚manu (मनु, xyZ)‘ angedeutet hat.. ist dabei m. E. ebenfalls ein fruchtbarer Zugang?

    Wir kennen ‚Dimension 2‘ und ‚Dimension 3‘. Aber was ist ‚Dimension 1‘? Ist sie ein Punkt? Und wenn ja, bedeutet das, sie ist ‚Eins‘ oder etwa doch ‚Null‘? Oder gar Beides? Also denke ich, dass die erwähnte Formel schon in einem Kommentar vorkommen darf [wie ich gerade sehe, wurden die Zeichen “, die zwischen den beiden Einsen stehen (also 1“ 1,) nicht übertragen (obwohl ich online schreibe)]. Andererseits – da es notwendig erscheint, mir eine ‚Anleitung zum Kommentieren‘ vorzusetzen – scheint es mir nicht zu gelingen, mich verständlich zu machen…*seufz*

    Aber egal – ich versuche es weiter [will doch nur der Inspiration dienen, (un)mögliche Anregungen provozieren und eventuelle ‚eigene‘ Scheuklappen oder DenkDogmen aufbrechen].

    Diese Anspielung von Luhmann auf quasi ‚Inzestuöse Verhältnisse‘ finde ich sehr interesssant. Was ist eine Welle? Ließe sie sich als quasi inzestuöse Wiederholung einer WellenSequenz beschreiben?
    Wellen – wie lassen sich Wellen in verschiedenen Dimensionen mathematisch beschreieben?

    Mir scheint es, als seien Wellen die optimalste Form, um a) Energie zu transportieren und b) eine möglichst effektive Wiederholung der ‚Eins‘ im Sinne der Aufrechterhaltung von Identität zu realisieren.

    Mittlerweile transportieren, modifizieren oder speichern wir gigantische Mengen von Informationen in Wellen – mögen Andere sagen, was sie meinen – für mich ist dies nicht banal (sollte ich mir keine Banalitäten erlauben dürfen – dann ließe ich es tatsächlich bleiben, hier zu schreiben).

    Vielleicht könnte man denken, dass nicht nur Licht… sondern jede Form von Materie… immer auch in Form von bzw. als Welle ‚existiert‘?

    Wenn wir Dimensionen ‚zählen‘, setzen wir eine bestimmte Form von Mathematik voraus. Würden sich die ‚Dimensionen‘ in einer anderen Mathematik entsprechend verändern? Sind wir Wellen in Wellen, die wiederum Wellen in anderen Wellen sind – dann wären wir vielleicht soetwas, wie Musik? 😉

    Wie sehr hängt Alles von unseren Begriffen ab? Und wie wichtig ist es, dass wir uns Freiheit gewähren – im Reden, in der Schrift – und im Dichten?

    • „Vielleicht könnte man denken, dass nicht nur Licht… sondern jede Form von Materie… immer auch in Form von bzw. als Welle ‘existiert’?“

      Diesen Kommentar fand ich in der Tat recht anregend (Und als Hausmeister dieses Blogs nehme ich mir ab und an das Recht, schlechte Laune zu haben).
      Bezüglich der Trinität: vielen Dank für den Hinweis auf Hans Albert!

      Bezüglich der Quantenphysik aber will ich auf einen anderen Dimensionsbegriff hinaus. Deine Wellenvorstellung ist schon ganz nah an der Beschreibung der Quantenphysik. Hier nur einzelne Stichworte:
      -> Erzeugungs- und Vernichtungsoperatoren
      -> Raum und Dualraum
      -> Zerlegung der Eins Σ |Ψ><Ψ| = 1
      Es geht um 'verschachtelte' Dimensionen und Quantenverschränkung. Ich werde diese Strukturen in künftigen Blogbeiträgen noch weiter ausführen.

  6. Zumindest interessant und inspirierend finde ich Meister Eckharts Predigten und Traktate. Er fällt in seinen theologischen Anschauungen weit aus dem Rahmen der Orthodoxie… und wurde wohl gerade deshalb auch von Cusanus hoch geschätzt…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eckhart#Sp.C3.A4tmittelalter

    Ich will nicht vorgeben seine Einsichten und Ansichten völlig durchschaut zu haben, aber ich vermute, dass er philosophische Probleme angesprochen hat, die seiner Zeit weit voraus waren. (… vielleicht sogar unserer Zeit voraus..? oder jenseits dessen, was wir als Zeit erleben..?)

    Von der Einheit der Dinge
    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Meister+Eckhart/Predigten,+Traktate,+Spr%C3%BCche/Predigten/13.+Von+der+Einheit+der+Dinge

    Wenn mein Auge aufgetan wird, so ist es mein Auge. Ist es zu, so ist es dasselbe Auge, wegen des Sehens geht dem Holze weder etwas ab noch etwas zu. Nun merket recht auf. Geschieht aber das, dass mein Auge an sich selbst eins und einheitlich ist und aufgetan und auf das Holz geworfen wird mit einem Ansehen, so bleibt ein jegliches, was es ist, und doch werden sie in der Wirksamkeit des Ansehens wie eines, so dass man sagen kann: Auge-Holz, und das Holz ist mein Auge. Wäre aber das Holz ohne […] Materie und ganz geistig, wie das Gesicht meiner Augen, so könnte man in Wahrheit sagen, dass in der Wirksamkeit meines Gesichts das Holz und mein Auge aus einem Wesen bestehen. Ist dies wahr von körperlichen Dingen, viel mehr wahr ist es von geistigen Dingen.
    […]
    Darum sage ich: wenn sich der Mensch von sich selbst und von allen geschaffenen Dingen abkehrt, so weit du das tust, so weit wirst du geeint und beseligt in dem Fünklein der Seele, das nie Zeit oder Raum berührt hat. Dieser Funke entzieht sich allen Kreaturen und will nur Gott, wie er an sich selbst ist. Er begnügt sich nicht mit Vater oder Sohn oder heiligem Geist, und nicht mit den drei Personen, sofern jede für sich in ihrer Eigenschaft dasteht.

    So ist es der (unser?) Geist, der die Brücke zwischen Materiellem und Immateriellem/ Ideellem bildet… Die Trinität von [-> Materie -> Geist (Bewusstsein/ Verstehen/ Erkennen/ Interpretieren?) / -> Idee (/Bild/ Metapher/ Vorstellung/ Vermutung..?)] jenseits unserer geläufigen Begriffe von Zeit und Raum… ?

    22. Was ist Gott?
    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Meister+Eckhart/Predigten,+Traktate,+Spr%C3%BCche/Predigten/22.+Was+ist+Gott

    Ich lasse das erste und das dritte und spreche von dem zweiten, dass Gott etwas ist, das notwendig über Wesen sein muss. Was Wesen hat, Zeit oder Raum, das gehört nicht zu Gott, er ist über dasselbe; was er in allen Kreaturen ist, […] das ist er doch darüber; was da in vielen Dingen eins ist, das muss notwendig über den Dingen sein.
    […]
    Gott in seiner Selbsterkenntnis erkennt sich selbst in sich selbst.

    2. Vom Unwissen
    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Meister+Eckhart/Predigten,+Traktate,+Spr%C3%BCche/Predigten/2.+Vom+Unwissen

    »Wo ist, der geboren ist als König der Juden?« – Höret nun, wie diese Geburt vor sich geht.
    Die ewige Geburt bringt allewege grosses Licht in die Seele, denn es ist die Art des Guten, dass es sich ergiessen muss, wo immer es ist. In dieser Geburt ergiesst sich Gott mit solchem Licht in die Seele, dass das Licht so gross wird im Wesen und im Grunde der Seele, dass es sich hinausschleudert und in die Kräfte und auch in den äussern Menschen überfliesst.
    […]
    Dass wir das alles überholen und verlieren, was diesem geborenen König nicht wohlgefällt, dazu verhelfe uns der, der darum zum Menschenkind geworden ist, damit wir Gotteskind werden. Amen.

    Vielleicht ist dieses „Fünklein“, von dem der Meister hier spricht und predigt als Metapher auf die angesprochene Grundstruktur unseres Denkens zu verstehen – in der sich gewissermaßen der „Urgrund“ allen Seins spiegelt!

    • Danke für diese ergänzende Literatur!
      Was Cusanus anbelangt, scheint Thierry von Chartres bei der Trinitätsspekulation von zentraler Bedeutung zu sein. Ich habe den Eindruck, dass Cusanus rund um das 8. Kapitel mehr zitiert, als dass er eigene Gedanken ausführt. Wenig später aber – im Bereich der Geometrie – kommt proprietäres Gedankengut (Ein unendlich grosser Kreis identisch mit einer geraden Linie etc.). So scheint es also, als ob diese geometrischen Spekulationen zum Relevanzbeweis für Thierrys Spekulationen dienen.

  7. Pingback: Undenkbare Negation. Über Dedekinds unendliche Systeme | Neurosophie

  8. 19. Von der Natur

    Es sagen unsere Meister, alles was erkannt wird oder geboren wird, ist ein Bild, und sie sagen folgendes: Wenn der Vater seinen eingeborenen Sohn gebären soll, so muss er sein in ihm selbst bleibendes Bild gebären, das Bild in dem Grunde, so wie es von Ewigkeit in ihm gewesen ist, formae illius, das heisst seine ihm selbst bleibende Form. Dies ist eine Naturlehre, und es dünkt mich recht unbillig, dass man Gott mit Gleichnissen, mit diesem oder jenem, aufzeigen muss. Dennoch ist er weder dies noch jenes, und damit begnügt sich der Vater nicht, sondern er zieht sich zurück in die Erstheit, in das Innerste, in den Grund und in den Kern der Vaterschaft, wo er ewig drinnen gewesen ist, in sich selbst in der Vaterschaft und wo er sich selbst verzehrt als Vater seiner selbst in dem einig Einen.
    […] die Schale muss zerbrechen, […] und was darinnen ist, muss herauskommen: denn willst du den Kern haben, so musst du die Schale zerbrechen. Und wenn du daher die Natur nackt finden willst, so müssen die Gleichnisse alle zerbrechen, und je weiter man hineintritt, um so näher ist man dem Wesen.

    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Meister+Eckhart/Predigten,+Traktate,+Spr%C3%BCche/Predigten/19.+Von+der+Natur

  9. Jetzt muss ich doch noch ein bisschen ausholen, und werde mich dabei bemühen meine Ansichten, Einsichten und Schlußfolgerungen etwas weniger zu mystifizieren..:

    Ich bin über eine Interpretation von Gustav Mahler’s „Lied Von Der Erde“, auf Henri Bergson’s Auffassung von Raum und Zeit aufmerksam geworden. (Siehe unten!.. „… the bergsonian idea of the all and the nothing being equal…“)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zeit_und_Freiheit#Die_Grundbegriffe:_Raum.2C_Zeit.2C_Dauer

    Henri Bergson meint nun in seinem Aufsatz „Zeit und Freiheit“ (Essai sur les données immédiates de la conscience):::

    [Der] Raum […] ist der Ort einer »reziproke[n] Exteriorität ohne Sukzession«[…], was bedeutet, dass wir im Raum außerhalb des wahrnehmenden Bewusstseins sehr wohl auf mehrere, einander äußerliche Zenonische Pfeile treffen können und dennoch niemals auf eine Bewegung derselben[…]. Schließlich existiert als Relationsbestimmung innerhalb des Raumes einzig die Lage und, da er streng von aller Zeitlichkeit separiert ist, keine Aufeinanderfolge, keine Sukzession, lediglich Simultanität. Sollte Bewegung zustande kommen, bedürfte es eines bewussten Beobachters, eines Gedächtnisses, das den Momentpunkt in seiner Unausgedehntheit sich zu eigen machte, ihn mit dem vergangenen Momentpunkt verknüpfte und in der Durchdringung von Vergangenheit und Gegenwart eine Bewegung entstehen ließe, der qualitativer Aktcharakter eignete[…]. Der Raum selbst aber, so ließe sich wiederholen, kennt keine Geschichte, sondern nur simultane Lagedifferenzen.

    Über Bergson’s Raumbegriff bin ich dann eben auf „Zenon von Elea“ gestoßen (den Schüler des Parmenides)…

    „Das Bewegte bewegt sich weder in dem Raume, in dem es ist, noch in dem Raume, in dem es nicht ist. “

    Meint der Schüler des Parmenides und denkt im Pfeil-Paradoxon über die Wirklichkeit von Bewegung nach. –> Also über ein Element unserer erlebten Wirklichkeit, das sich uns eigentlich nur deshalb so offenkundig erschließt, weil wir Situationen (als Konfigurationen begrifflich differenzierter Phänomene mit unterschiedlichen Ausdehnungen und Positionen im Raum) stets im Kontext einer kombinierten Abfolge vergleichbarer Situationen erleben, denen wir Momente auf einem Zeitpfeil zuordnen. Wir assoziieren demnach zu jeder erlebten/ wahrgenommenen Situation eine bestimmte Position auf einer (extra-räumlichen?) Achse, die den Titel „Zeit“ trägt.
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pfeil-Paradoxon

    Wenn Zenon also von einem Pfeilort s(t‘)\!\, zu einem Zeitpunkt t‘\!\, redet, haben wir auch in diesem Fall die konstante Geschwindigkeit v\!\, vorliegen.

    Nach den Gesetzen der Quantenmechanik ist dies jedoch physikalisch falsch.

    Die Heisenbergsche Unschärferelation besagt hierzu:

    Je genauer der Ort x\!\, des Pfeils bestimmt ist, desto unbestimmter ist seine Geschwindigkeit v\!\, und umgekehrt.

    Im Gegensatz zu Zenon, der ja behauptet, dass der Pfeil im Ort x\!\, ruht, besagt die Quantenmechanik, dass der Pfeil im Punkt x\!\, überhaupt keine definierbare Geschwindigkeit hat.
    Das Paradoxon wie auch das bekanntere Paradoxon von Achilles und der Schildkröte haben auch bei der Benennung des Quanten-Zeno-Effekts eine Rolle gespielt.

    Der erwähnte „Quanten-Zeno-Effekt“ erscheint mir im Rahmen der ursprünglichen Betrachtungen als besonders relevant oder zumindest interessant, weil hier deutlich wird, dass die „Ewige Zeugung im Quantenkollaps“ durch unablässige Beobachtung tatsächlich verhindert werden kann.
    Es handelt sich (wenn ich das richtig verstanden habe) gewissermaßen um eine Möglichkeit der „Empfängnisverhütung“.
    Der „Sohn“ wird (dem vorgegebenen Bild entsprechend) nicht gezeugt, solange man den „Vater“ nicht aus den Augen läßt.
    Der Kollaps der Wellenfunktion tritt sozusagen erst ein, wenn man die Situation einige Momente unbeobachtet lässt.
    Der „Vater“ läßt sich nicht zusehen, beim „Zeugungsprozeß“…
    Die Situation verharrt in einer gegebenen Konfiguration, solange die Situation ständig/ unablässig beobachtet wird.
    Das verleitet zu der Annahme, dass in der Zeit überhaupt kein Kollaps der Wellenfunktion stattfindet.
    Die Änderung einer gegebenen/ definierten/ festgestellten/ gemessenen <Konfiguration von Sachverhalten in Situationen, die wir erleben und wahrnehmen geschieht womöglich jenseits unserer Konzepte von „Zeit“ (und Raum?) …
    Die Frage ist also schließlich, ob überhaupt etwas „geschieht“/ oder ob sich nur unser Fokus auf die „Wirklichkeit“ ändert.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Quanten-Zeno-Effekt

    Wenn ein Atom spontan zerfällt, so geschieht dies nach den Gesetzen der Quantenmechanik nicht zu einem vorbestimmten Zeitpunkt, sondern zufällig, d. h. nach rein statistischen Gesetzmäßigkeiten. Dieses Ereignis kann am einfachsten als Superposition (Überlagerung) der Zustände A (nicht zerfallen) und B (zerfallen) aufgefasst werden. Von diesem Überlagerungszustand aus gibt es dann eine gewisse Wahrscheinlichkeit, mit der sich der Zerfall ereignet. Bei einem spontan zerfallenden System steigt diese Wahrscheinlichkeit mit dem Fortschreiten der Zeit. Wenn nun zu einem gewissen Zeitpunkt nachgesehen wird, ob das Atom bereits zerfallen ist oder nicht, so findet man entweder Zustand A (Atom nicht zerfallen) oder B (Atom zerfallen) vor. Dies entspricht einer quantenmechanischen Messung mit der grundlegenden Eigenschaft, dass nur Eigenzustände des Messoperators (also A oder B) und keine Überlagerungszustände detektiert werden können. Die Wahrscheinlichkeit für das Vorfinden von Zustand A bzw. B ist durch den Gewichtsanteil des jeweiligen gemessenen Zustands in der Überlagerung gegeben, der sich mit der Zeit immer mehr von A nach B verschiebt. Durch den Messprozess selbst wird die Wellenfunktion zu Zustand A oder B reduziert, wobei man dann von einem Kollaps der Wellenfunktion spricht.

    Wenn nun am Anfang das einzelne Atom im Zustand A (nicht zerfallen) ist, dann ist der Anteil des Zustandes B (zerfallen) nach kurzer Zeit äußerst gering. Bei einer Messung wird es also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht zerfallen sein. Durch die Beobachtung geht es in diesem Fall wieder in den Eigenzustand A (zu 100 % nicht zerfallen) über, und der Zerfallsvorgang beginnt wieder von Neuem.

    Insgesamt bekommt man somit bei häufiger Beobachtung eine Zerfallsrate, die deutlich unter der unbeobachteten Zerfallsrate liegt. Lässt man die Abstände der Beobachtungen gegen null gehen, was einer Dauerbeobachtung gleichkommt, so geht auch die Zerfallswahrscheinlichkeit gegen null, d. h. das dauernd beobachtete Atom sollte aufgrund dieser Beobachtung gar nicht mehr zerfallen.

    Der Quanten-Zeno-Effekt wurde von mehreren Gruppen weltweit mithilfe von Methoden der Lasertechnik und Atomphysik experimentell bestätigt.

    … und dabei musste ich wieder an die Überlegungen in diesem Thread denken…

    Ewig… Ewig… Ewig… ♫
    😉
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=E2EyPu9mxTg#t=261s

    „Floating in Ewigkeit… — fled is the moment — do I wake or sleep?“

  10. Pingback: Quantenmechanische Deduktion des transzendentalen Idealismus | Neurosophie

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